BILDER IM KOPF. ODER WIE UNSER GEHIRN UNS DURCH SEINE HILFSBEREITSCHAFT IN BRENZLIGE SITUATIONEN BRINGT

„Woher kommst du, Julia? Aus Russland? Na, dann komm, lass uns zusammen Wodka trinken, hehe.“

Ja, genau. Wir Russen haben Wodka schon mit der Muttermilch aufgesogen. Soso.
Und Deutsche sind sehr akkurat und pünktlich. Hm.

Doch Hand aufs Herz – Dir ist es sicherlich auch schon oft passiert: Sobald du ein bestimmtes Land, eine Nationalität hörst, ploppen dir bestimmte Bilder im Kopf auf über die Menschen, die dort leben, über ihre Kultur, ihre Art, ihre „Macken“.

Mexikaner? Tragen Sombreros und Ponchos und trinken Tequila.
Japaner? Laufen ständig mit einem Fotoapparat herum.
Und vor Russen sollte man lieber sein Wodka-Vorrat verstecken.

Menschen in Schubladen zu stecken ist total normal

Ich kann dich allerdings beruhigen: Solche stereotypen Bilder von Nationalitäten und deren „typischen“ Eigenschaften/Attributen/Macken haben wir alle.
Dieser Drang, Menschen, Dinge, Sachverhalte in bestimmte „Schubladen“ zu schieben, passiert uns allen. Andauernd. Und es passiert auch automatisch.

Warum? Eigentlich will uns das Gehirn damit einen Gefallen tun.
Denn die Welt ist so voller vieler verschiedener Eindrücke. Um diese alle zu verarbeiten, versucht unser Gehirn, all diese Eindrücke in kleine „verdaubare“ Portionen zu zerteilen, in Schubladen zu sortieren und so „Ordnung“ zu schaffen.Den nächsten Schritt sollte man dabei allerdings nicht vergessen

Wichtig ist bei der ganzen Geschichte, den nächsten Schritt nicht zu vergessen!
Und zwar: Sich dessen BEWUSST werden, dass unser Gehirn mit diesem Schubladen-System arbeitet, dass aber seine Kategorien stark verallgemeinernd und daher super-fehlerhaft sind!

Nehmen wir zum Beispiel mich: Ich bin das Kind einer russischen Mutter und eines russlanddeutschen Vaters. Doch weder habe ich jemals Wodka getrunken, noch rühme ich mich (privat) für meine Überpünktlichkeit.

Wenn du dich also das nächste Mal dabei erwischst, dass dein Gehirn dir wieder mal ein schubladengerechtes Bild von deinem Gegenüber liefert, dann halte kurz inne – und überprüfe, ob es denn für diesen einen Menschen, der dir gegenüber steht, denn wirklich stimmt.

Meistens wirst du ein blaues Wunder erleben.

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