„EIN BISSCHEN ETHNOLOGIE STECKT ÜBERALL DRIN“

NAME: Alexandra Michel-Döbler

STUDIENFÄCHER: Ethnologie, Politikwissenschaft

BERUF: Länderkoordinatorin

 


+++

Ich habe Ethnologie studiert, weil…

… ich es spannend fand, vom System auf die einzelnen Menschen zu blicken. Und fand, dass das Fach eine super Kombi zur Politikwissenschaft war.

Unter Ethnologie verstehe ich…

… das Erlernen wissenschaftlicher Arbeitsweisen um die Organisation von Menschen und ‚Kultur‘ zu erforschen.

+++

Wie bist du zu deinem aktuellen Beruf gekommen?

…durch Zufall, Bewerbung, Ausdauer? Durch die Kombi mit Politikwissenschaft und dem Schwerpunkt auf Internationale Beziehungen habe ich versucht, mit meiner Magisterarbeit eine gute Schnittstelle zu schaffen und wollte deshalb zum Thema „Partizipation und Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit“ schreiben. Hierfür brauchte ich eine Organisation, die mich aufnahm, damit ich ihr Bildungsprojekt analysieren konnte. Dafür hat sich die GIZ in Malawi bereit erklärt. So kam dann eins zum anderen. Nach meinem Abschluss habe ich mich auf alle möglichen Jobs beworben – und auch angenommen. Nach einer Weile bekam ich dann ein Angebot bei der GIZ in Ruanda. Da ich wieder gerne ins Ausland gehen wollte, nahm ich die Stelle an. Und blieb 5 Jahre. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland begann ich wieder, mich zu bewerben – auch auf Jobs außerhalb der Entwicklungszusammenarbeit. Am Besten hat mir das Angebot von ADRA als Koordinator von Projekten gefallen. Also nahm ich es an.

Mit welchen Hürden und Vorurteilen hattest du als Ethnologe/in in der Arbeitswelt zu kämpfen?

Bisher musste ich zwar Ethnologie oft erklären, aber viele Hürden habe ich nicht erlebt, eher ein Interesse daran. Viele Menschen haben sich über Themen der Ethnologie nur rudimentär Gedanken gemacht und sind sich deshalb der Vielfalt des Faches nicht bewusst.

Wie profitierst du von deinem Ethnologiestudium in deinem aktuellen Beruf? Wie und womit hat die Ethno-Expertise dir in deinen Berufen geholfen?

Ich profitiere extrem viel von meinem Studium. Dabei geht es weniger um inhaltliche Punkte, sondern mehr um die Sensibilisierung für Themen in bestimmten Kontexten (z.B. die Rolle der Familien, die Rolle der Frau bis hin zu Themen wie Genitalverstümmelung, vom Hintergrundwissen hierzu habe ich bisher so einigen Gebrauch gemacht) und von der Analyse und Methoden, wie man an bestimmte Themen herangeht.

Darüber hinaus ist kulturelle Sensibilität in meinem Job ein sehr wichtiges Thema. Mittlerweile arbeitete ich nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent, sondern auch in anderen Regionen der Welt. Das stellt aber kein Problem dar, da ich von der Picke auf gelernt habe, Kontexte zu analysieren und kulturelle Systeme zu verstehen.

Ich arbeite immer mit Kollegen und Partnern zusammen, die aus den jeweiligen Ländern kommen – sei es Malawi, Ruanda, Serbien, Albanien, Kenia oder Somalia. Wir planen und setzen gemeinsam Projekte um, die es der benachteiligten Bevölkerung ermöglichen soll, einen Weg aus der Armut zu finden. Da ist es schon wichtig, sich schnell in die Umgebung einzudenken, Strukturen zu analysieren und letztendlich auch anständig mit den Partnern zu kommunizieren. Denn wenn die Kommunikation zwischen uns nicht stimmt und Missverständnisse aufkommen, dann kann auch das Projekt nicht gut funktionieren.

Außerdem konnte ich mein Studium sehr frei gestalten, das hat andere organisationelle Fähigkeiten gestärkt 🙂

Hat dich die Universität deiner Meinung nach genügend auf das Arbeitsleben vorbereitet? Was fandest du im Studium gut und was hat dir gefehlt?

Was die Themenvielfalt anging, so konnte ich mich im Studium gut ausleben. Der praktische Bezug hat jedoch immer gefehlt. Es werden viele Methodenkenntnisse vermittelt. Aber nicht, was man außerhalb von Uni, Entwicklungszusammenarbeit & Co damit machen könnte. Mehr über weitere mögliche Beschäftigungsoptionen zu erfahren, wären super gewesen.

Ethnologie fokussiert sich super stark auf qualitative Forschung, Analysen, etc. Das sind tolle Methoden, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Und das muss den Studenten vermittelt werden – mit einem praktischen Bezug.

Das Studienfach ist sehr verschult mit wenig Personal, dass Erfahrung in der Wirtschaft oder im öffentlichen Sektor ausserhalb der Uni hat. Hier sollte aufgeholt werden. Nicht nur Regional- und Themenerfahrung sollte an der Uni zählen. Ein praktisches Semester und Kooperationen mit potentiellen Arbeitgebern wären super.

So bewarb ich mich eher ziellos nach dem Studium. Mein Politikstudium war da wegweisender. Nach meinem Abschluss hatte ich eher das Gefühl, nicht zu wissen, was ich gelernt habe und wofür ich es einsetzen kann. Ich habe erst im Laufe des Berufslebens gemerkt, was mir mein Studium gebracht hat.

Mit dem Wissen von heute: Würdest du Ethnologie nochmals studieren? Und was würdest du anders machen?

Mit den richtigen Zusatzfächern ist das Fach eine Bereicherung. Das Fach lässt sich mit fast allem super kombinieren.

Dein Rat an die Ethno-Neulinge?

Seid offen für alles, was euch über den Weg läuft. Ein bisschen Ethnologie steckt überall drin.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.