ETHNO-NEULIN(K)S IM JULI 2015

NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU! NEU!

Lange habe ich diesem Augenblick entgegengefiebert, nun ist es soweit: Die Ethno-Neulings kommen!

Ab heute will ich euch jeden Monat vorstellen, was sich Interessantes in der Ethno-Kulturlandschaft ereignet – meist hinter Universitätswänden versteckt und von dem nur die Wenigsten wissen. Ich hingegen finde die Themen viel zu spannend und zu interessant, um sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Schließlich steht auf meiner Agenda, den interessierten Lesern aufzuzeigen, womit wir Ethnolog_innen uns befassen. Angedacht sind Call for Papers, Konferenzen, Neuerscheinungen und andere Veranstaltungen.

Selbstverständlich ist die Auswahl subjektiv gefärbt 😉

Et voilà!


 

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(H)ACKTIVISMUS UND PARTIZIPATION? ZUR POLITISCHEN DIMENSION DES DIGITALEN

Eigentlich ziemlich aktuell:

Die demokratisierenden Potentiale des Internets wurden insbesondere in der Frühphase der Nutzung digitaler Medien betont.

Dem Internet wurden eine neue Qualität der Vernetzung sowie bessere Möglichkeiten von Kollaboration und Partizipation zugeschrieben, die sich unter anderem in der Wirkmächtigkeit sozialer Bewegungen zeigten.

So stellte Manuel Castells die These auf, Netzwerke und digitale Technologien spielten eine entscheidende Rolle bei der Entstehung neuer Formen von Politik, Kultur und Gesellschaft.

Gegenstimmen sahen die Nutzung digitaler Medien kritischer: Joseph Weizenbaum sah in einem zu großem Vertrauen in computergestützte Entscheidungsprozeduren eine Gefahr für das politische Handeln (!!!).

Jaron Lanier bezeichnete Schwarmintelligenz als Ausdruck von Durchschnittsmeinungen und das Handeln der Massen in der Onlinewelt als „digitale Barbarei“ und deutete die Open-Source-Bewegung als eine Form der Ausbeutung.

Alexander Galloway, Eugene Thacker und auch andere Forscher verwiesen schließlich auf die Vermachtung digitaler Infrastrukturen und die Gefahren durch Überwachung, Zensur und Steuerungsversuchen sowohl seitens staatlicher Organe als auch durch die Kommerzialisierung des web 2.0, manifest etwa in der Macht von Quasimonopolisten wie Google oder Facebook.

Von diesen kontroversen Potentialen ausgehend soll auf der Tagung die Frage nach dem Politischen im Digitalen neu gestellt werden.

Das Politische wird hier begriffen als gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über Verfahrensweisen und Normen, die durch die Elemente des Dissenses, des Widerstreits, des Ereignisses und der Unterbrechung geprägt sind.

Im Fokus der Tagung stehen die Themenfelder:

  • Digitale Praxen und Aktivismus
  • Diskursivierung und Konstituierung von Öffentlichkeiten
  • Partizipation und Teilhabe

Ziel der Tagung ist, die genannten Themenfelder in einem internationalen und interdisziplinären Austausch miteinander in Beziehung zu setzen und dadurch zu einer fachlichen Debatte beitragen, die für den Kontext der politischen Dimension des Digitalen relevante Begriffe, Annahmen und Theorien einer Reflexion unterzieht.

Achtung: Es sollte sich um neue und unveröffentlichte Beiträge handeln. Neben Vorträgen über abgeschlossene Forschungen sind auch Werkstattberichte über laufende Projekte erwünscht.

Tagungsdatum 29.09.-01.10.2016
Tagungsort Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg
Abstracts (max. 3000 Zeichen) bis 15. Oktober 2015 an Dr. Marion Näser-Lather, Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft, Philipps-Universität Marburg, Deutschhausstr. 3, 35032 Marburg naeserm@staff.uni-marburg.de

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ACTION! ARTEFAKT, EREIGNIS, ERLEBNIS – TAGUNG DER KOMMISSION „KULTUREN POPULÄRER UNTERHALTUNG UND VERGNÜGUNG

KRACH! BUMM! BÄNG! WUMM! oder KLIRR! lesen wir oft im Comic, wo es knallt, quietscht und kreischt.

Action ist ein zentrales Element der Populärkultur: Es geht um Grenzerfahrung und Risiko, Geschwindigkeit und Zerstörung. Bewegung und Gewalt, Verfolgungsjagden und Massenkarambolagen, Wettkämpfe, Schlägereien und Schießereien, Krach und Explosionen sind die zentralen Elemente. Die Gesetze der Schwerkraft scheinen oft ebenso aufgehoben wie die Grenzen menschlicher Kraft und Verwundbarkeit. Technisch ist ohnehin alles möglich!

Mit dem Begriff Action verbinden wir nicht nur bestimmte Genres populärer Unterhaltung, die wir konsumieren, oder Events, an denen wir (passiv, aktiv oder interaktiv) zu unserer Vergnügung teilnehmen, sondern auch eine herzustellende ästhetische Qualität sowie einen Erlebnismodus, der mit Spannung zu tun hat, mit bestimmten Sinneseindrücken, Emotionen und körperlichen Reaktionen.

Ganz direkt oder nur scheinbar (wenn wir im Kinosessel sitzen) erfahren wir Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung und spüren die Materialität von Dingen im Moment ihrer Zerstörung.

Bei der Herstellung von Action-Sequenzen in Spielfilm, Werbung oder Computer Game werden zentrale Action-Elemente durch special effects am Drehort bzw. visual effects in der Postproduktion simuliert. Erzeugt das Wissen um die Simulation eine besondere Form der Wahrnehmung durch die Zuschauer? Die einen reißt Action mit, die anderen rümpfen die Nase – zu viel Gewalt und zu viel unrealistischer Blödsinn, finden viele.

Der Diskurs über Action bewegt sich in einem komplizierten Spannungsfeld von ‚Schund‘-Urteil und Lob der Technologie. Doch generieren nicht auch Action-Genres und Action-Events Sinn und Bedeutung? Als kulturelles Phänomen bietet Action also Anlass für vielfältige Untersuchungen.

Erwünscht sind sowohl Vorträge zu aktuellen, unpublizierten Forschungen als auch Arbeitsberichte aus laufenden Projekten.

Tagungsdatum 2.-4. Juni 2016
Tagungsort Universität Zürich
Abstracts (max. 3000 Zeichen) bis 30. November 2015 an ingrid.tomkowiak@uzh.ch, brigitte.frizzoni@uzh.ch, und manuel.trummer@sprachlit.uni-regensburg.de

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WIR SIND NIE URBAN GEWESEN“ – VOM METROZENTRISMUS ZUR PLURALITÄT DES STÄDTISCHEN

Am Institut für Europäische Ethnologie der Uni Wien findet vom 7.-9. Oktober eine Konferenz zum Thema Urbanität statt.

Konferenz-Logo

Im 21. Jahrhundert erfährt das Urbane (angesichts eines nie dagewesenen Urbanisierungsgrades) wissenschaftlich und gesellschaftlich eine Hochkonjunktur.

Aber nicht jede Stadt erfüllt die gängigen Vorstellungen von Urbanität. Diese Konferenz konzentriert sich auf eine Bündelung kulturwissenschaftlichen und stadtplanerischen Wissens jenseits der Metropolen.

Was macht „Stadt“ und urbanes Leben in den verschiedenen Kontexten aus? Was wird Städten jenseits westlich-großstädtischen Zuschnitts symbolisch, politisch und sozial zugeschrieben? Welches symbolische Kapital verleiht welche Stadt?

Beiträge zum Alltagsleben in ganz unterschiedlichen Städten und Stadttypen sowie die ihnen zugrunde liegenden Stadtplanungen und Leitideen stehen im Zentrum der Konferenz.

Link: middletownurbanities.com 

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